Vulvodynie – So kannst du die Schmerzen an der Vulva behandeln

Was ist Vulvodynie?

Die Vulvodynie kann wörtlich als „Schmerz der Vulva“ übersetzt werden. Entsprechend kann diese Art von Erkrankung zu der Dyspareunie gezählt werden, welche als Oberbegriff alle Schmerzen im Intimbereich umschreibt. Anders sieht es beim Vaginismus aus, hierbei handelt es sich um eine andere Art von Schmerzen, welche aber oft zusammen auftreten können. Die Beschwerden bei den Vulvaschmerzen treten vor allem beim Geschlechtsverkehr oder auch der Selbstbefriedigung auf. Hierbei kann es dazu kommen, dass sich die Vagina verengt, sodass kein Penis oder Finger beim Sex eingeführt werden kann. In diesem Fall berichten die betroffenen Frauen vor allem von Schmerzen in den Schamlippen und dem Damm.

Weiterhin kann es aber auch zu Schmerzen beim Sport, wie Radfahren oder Laufen kommen. Im schlimmsten Fall ist es sogar nicht möglich, schmerzfrei sitzen zu können, wenn man unter Vulvaschmerzen leidet.

Welche Arten gibt es?

Verschiedene Erkrankungen im Intimbereich werden in den letzten Jahren unter den Begriff Vulvodynie zusammengefasst. In diesem Fall muss aber beachtet werden, dass es manchmal nicht möglich ist, die jeweiligen Beschwerden genau zu bestimmen, sodass der Begriff Vulvodynie als Synonym für unterschiedliche Krankheiten genutzt wird. Als Beispiel zu nennen sind folgende Erkrankungen:

  • Vestibulitis
  • Vulvovesibulitis
  • Vestibulodynie

Solltest du dabei entsprechende Vulvaschmerzen verspüren, ist es sinnvoll sich einer fachmännischen Untersuchung zu unterziehen, um die Art der Erkrankung leichter herausfinden zu können. Unabhängig davon, ob die jeweiligen Arten von Vulvaschmerzen genau unterschieden werden können, kann auf jeden Fall angegeben werden, dass jede Art gut behandelt werden kann, um nicht mehr länger unter den Schmerz zu leiden.

Vulvaschmerzen bei jungen Frauen (Vestibulodynie/Vulvovestibulitis)

Viele junge Frauen weisen entsprechende Symptomen auf, die auf Vulvaschmerzen schließen lassen. Hierbei vor allem zu benennen sind ein Stechen, Brennen oder auch intensive Reizungen im Vestibulum (der Vorhof der Vulva). In diesem Fall wird eine Diagnose erstellt, wenn die folgenden Punkte erfüllt sind:

  • Auf der Vulva ist eine schwache oder starke Rötung zu erkennen
  • Leichte Berührungen des Scheidenvorhofs verursachen bereits Qualen
  • Sanfte Bemühungen mit einem Wattestäbchen rufen die Symptome hervor
  • Die jeweiligen Beschwerden bestehen schon seit mehr als 6 Monaten

In diesem Fall muss dabei zwischen der primären und sekundären Vulvodynie unterschieden werden. Bei der primären Variante handelt es sich um eine Erkrankung, die bereits vor Beginn der sexuellen Aktivität aufgetreten ist. Entsprechend können schon junge Mädchen von dieser Art Qualen betroffen sein. Rund 10 bis 20 Prozent der betroffenen Frauen leiden unter der primären Variante. Der Rest der Damen hat eine sekundäre Vulvaschmerzen. Diese wurde entsprechend erst später durch bestimmte Umstände ausgelöst, wie eine Infektion.

Vulvaschmerzen bei Frauen über 40 (vulväre Dysästhesie/generelle Vulvodynie)

Unter den vulväre Vulvaschmerzen leiden vor allem Frauen vor, während oder auch nach der Menopause. In diesem Fall beschreiben die Damen einen brennenden Schmerz im Bereich der Vulva. Die jeweiligen Symptome treten dabei nicht nur spontan auf, sondern verlaufen auch chronisch. In einigen Fällen kann es dazu kommen, dass nicht nur die Vulva an sich betroffen ist, sondern auch die Harnröhre und das Rektum. Besonders häufig treten die Beschwerden dabei bei Frauen auf, die unter Stuhl- oder Harninkontinenz leiden.

Welche Rolle spielt der Beckenboden bei Vulvodynie?

Es kann davon ausgegangen werden, dass der Beckenboden einer Frau, die unter Vulvaschmerzen leidet, geschwächt ist. Dies kann wiederum zu Verspannungen der Muskulatur im Beckenboden führen. Darüber hinaus kommt noch hinzu, dass den Muskeln die entsprechende Ausdauer fehlt. Dies zeigt sich besonders beim Beckenbodentraining. Schnell fühlt man sich hierbei ausgelaugt und kann das Training nicht fortsetzen. Die Ursache hierfür ist, dass die Differenz zwischen der Anspannung und Entspannung bei dem Beckenboden sehr nah beieinander liegt. Somit kann dieser weder kräftig angespannt noch besonders leicht entspannt werden.

Diese Punkte sollten auf jeden Fall beachtet werden, wenn es darum geht, ein Beckenbodentraining zu planen. Vor allem am Anfang brauchen die Frauen Zeit, um sich und ihre Muskeln an das Training zu gewöhnen. Entsprechend sollten die Damen die Therapie nicht überstürzen.

Wie lässt sich die Krankheit behandeln?

Bei der Behandlung gilt, dass auch bei Vulvaschmerzen das Selbsthilfeprogramm für Vaginismus zu einer deutlichen Verbesserung der Situation führen kann. Hierbei musst du aber beachten, dass das jeweilige Training mit sehr viel Geduld und Durchhaltevermögen verbunden ist. Nicht nur, dass die Beckenbodenmuskulatur zuerst recht schwach ist, insgesamt dauert die Therapie mindestens 6 Monate. Bei einigen Frauen kann es sogar noch länger dauern. Dann kann aber mit einer dauerhaften und deutlichen Reduzierung der Vulvaschmerzen gerechnet werden. Je nachdem wie lange das Training dauert und wie stark die Vulvaschmerzen sind, kann es sinnvoll sein, zusätzlich eine begleitende Therapie mit Medikamenten zu nutzen.

Nachfolgend werden die sinnvollsten Behandlungsmöglichkeiten für die Ursachen aufgeführt, die am besten zum Erfolg führen. Hierbei ist es sinnvoll, wenn du verschiedene Methoden ausprobierst, um somit für dich die richtige zu finden.

Beckenbodentraining

Wie bereits benannt wurde, ist der Beckenboden durch die Vulvaschmerzen oft verspannt und sehr schwach. Entsprechend sinnvoll ist es als Teil der Behandlung ein Beckenbodentraining durchzuführen. Auf diese Weise werden nicht nur die Muskeln gestärkt, sondern es können auch leichter Verspannungen gelöst werden. Wichtig hierbei ist, sanft mit dem Beckenbodentraining zu beginnen, um sich nicht zu überanstrengen.

Entspannung

Die Anwendung von einfachen Entspannungstechniken reduzieren nicht nur die Verkrampfung der Muskulatur, sondern hilft dir auch bei der Schmerz- und Stressbewältigung. Hierbei gibt es viele Entspannungstechniken, welche genutzt werden können. Es ist sinnvoll dabei, sich für eine Variante zu entscheiden, welche einfach umgesetzt werden kann und das am besten täglich. Als Beispiel zu nennen ist die progressive Muskelrelaxation (PMR), über die du bei Interesse mehr hier im Artikel nachlesen kannst. Somit solltest du schnell eine hohe Entspannung erreichen können.

Vaginaltraining

Hierbei handelt es sich im Grunde um Übungen, bei denen du dir vorsichtig einen Finger oder auch ein Sexspielzeug in die Vagina einführst. Hierbei ist es sehr wichtig behutsam vorzugehen, um keine Vulvaschmerzen  auszulösen. Auf diese Art kannst du lernen, die Angst vor den Schmerzen und Verletzungen zu überwinden. Weiterhin helfen dir die Übungen, dich beim Sex besser entspannen zu können, was oft eine Ursache von dem Vulvaschmerzen sein kann.

Medikamente

Zuerst einmal sind bei den Medikamenten schmerzlindernde Salben zu benennen. Besonders gute Erfolge werden dabei mit dem Wirkstoff Lidocain erzielt. In diesem Fall sollte die Creme großzügig auf die betroffenen Stellen aufgetragen werden. Anschließend ist es sinnvoll, den Bereich mit Watte oder auch Gaze abzudecken, sodass die Salbe über Nacht einwirken kann. Zu empfehlen ist hierbei eine Einwirkdauer von 8 Stunden. Um die besten Ergebnisse zu erzielen, sollte diese Behandlung für 8 Wochen lang täglich durchgeführt werden.

Weiterhin können auch Antidepressiva als Schmerzmittel hilfreich sein. Hierbei geht es darum mit einer geringen Dosis anzufangen und diese mit der Zeit immer weiter zu steigern, bis die gewünschte Schmerzreduzierung eintritt. Wichtig hierbei ist, dass du deinen Arzt konsultierst, um die Therapie korrekt abzustimmen.

Biofeedback

Hierbei handelt es sich um eine andere Art des Beckenbodentrainings, bei der ein elektrisches Gerät zum Einsatz kommt. Bei dieser Variante werden Elektroden im Dammbereich aufgeklebt oder es wird eine Vaginalsonde in die Scheide eingeführt. Anschließend geht es darum, dass du deine Beckenbodenmuskulatur anspannst und lockerst. Durch die Anzeige auf dem Gerät kann nun verfolgt werden, wie stark die Anspannung ist. Diese Daten können dann von einer erfahrenen Therapeutin genutzt werden, um dir ein passendes Trainingsprogramm zusammenzustellen.

Operationen

Vielen Frauen wird bei Vulvaschmerzen eine Operation empfohlen. Oft handelt es sich hierbei jedoch nicht um die beste Variante. Der Grund ist, dass bei dem Eingriff betroffene Hautareale abgetragen werden. Da die Schmerzpunkte bei dieser Krankheit jedoch immer wieder wandern können, tritt oft nicht die gewünschte Wirkung ein. Nimm entsprechend erst einmal Kontakt zu deinem Arzt auf und lass dich genau zum Thema beraten, bevor du die Operation in Erwägung ziehst.

Weitere hilfreiche Tipps

Neben den eben beschriebenen Behandlungsmöglichkeiten kann ich dir auch noch einige Tipps geben, die durchaus gut bei Vulvaschmerzen helfen können. Zuerst einmal sind dabei folgende Punkte zu benennen:

  • Eine Dusche ist verträglicher als ein Vollbad
  • Nicht mehrmals am Tag waschen
  • Intimreinigung am besten nur mit der Hand
  • Schmerz auslösende Sportarten vermeiden

Weiterhin sollte nicht vernachlässigt werden, dass alle Arten von Seife, Intimduschen, Deodorants oder Feuchttücher die Scheidenflora durcheinanderbringen können. Entsprechend sollte darauf verzichtet werden diese zu verwenden. Lediglich eine sanfte Seife mit einem neutralen pH-Wert kann genutzt werden. Auch im Bereich der Unterwäsche gibt es einiges zu beachten. Beispielsweise sind Unterhosen aus Baumwolle besser als synthetischer Stoff. Weiterhin sollte auch auf farbige oder gebleichte Unterwäsche verzichtet werden, da diese oft reizende Stoffe enthält. Das Gleiche gilt für gebleichtes Toilettenpapier. Ebenfalls kann es hilfrfeich sein bei deiner Periode eine Binde, anstatt eines Tampons zu verwenden.

Letztlich ist noch zu benennen, dass viele Damen Kälte als schmerzlindernd empfinden. Entsprechend kannst du einen gut eingepackten Eisbeutel auf die jeweiligen Stellen legen, um diese für einige Minuten zu kühlen.

Fazit – die Vulvaschmerzen erkennen und richtig behandeln

Wenn Beschwerden beim Sex häufiger auftreten, das kann dies ein Zeichen von Vulvodynie sein. Frauen, die davon betroffen sind, müssen jedoch nicht gleich verzweifeln. Die Behandlung bietet eine hohe Erfolgschance und ist meist recht einfach durchzuführen. Die Damen müssen nur bereit sein, das hier gebotene Wissen zu nutzen und richtig einzusetzen. Entsprechend kann die eigene Sexualität oder der Verkehr mit dem Partner schon bald wieder Spaß machen, ohne dauernd wegen Schmerzen Angst haben zu müssen.

Andere Websites zum Thema:

  1. https://www.prosieben.de/tv/taff/video/vulvodynie-wenn-sex-nicht-schoen-ist-sondern-wehtut-clip
  2. http://www.spiegel.de/gesundheit/sex/vulvodynie-was-die-diagnose-bedeutet-a-1097983.html
  3. https://www.rtl.fr/girls/love/sexe-qu-est-ce-que-la-vulvodynie-ce-trouble-qui-touche-de-nombreuses-femmes-7792647369