Was ist Vaginismus und wie kann diese Funktionsstörung behandelt werden?

Vaginismus wird als unwillkürliche Verspannung der Scheiden- und Beckenbodenmuskulatur bezeichnet. Immer wenn eine Penetration versucht wird, ziehen sich die Vaginalmuskeln zusammen. Lesen Sie weiter, um mehr vom Vaginismus und den Methoden und Übungen zur erfolgreichen Behandlung erfahren zu können.

Kurzer Überblick

  • Was ist Vaginismus? Vaginismus ist eine starke Verkrampfung der Muskeln der Vagina und des Beckenbodens, die den Geschlechtsverkehr erschwert oder unmöglich macht. Manchmal wird ein schmerzhafter Scheidenkrampf nur beim Gedanken an Geschlechtsverkehr ausgelöst.
  • Wie kann man Vaginismus behandeln?:  Vaginaldilatoren, Sexualtherapie, Entspannungstechniken, Beckenbodenübungen und nur selten Medikamente
  • Ursachen: Die Ursachen von Vaginismus können körperlicher, geistiger oder emotionaler Natur sein. Es wird oft durch Angst vor Schmerz beim sexuellen Kontakt verursacht. Es ist jedoch nicht klar, ob Vaginismus eine Ursache dieser Besorgnis oder eine Folge davon ist.
  • Risikofaktoren: Depression, Angst, soziale Phobie, Somatisierung und Feindseligkeit.
  • Symptome: Angst vor Schmerz oder Verletzung, vaginale Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder bei gynäkologischer Untersuchung sind häufig.
  • Diagnostik: Ausschluss von Infektionen oder Entzündungen im Intimbereich
  • Vorbeugen: Psychotherapien, Bodenbeckenübungen, Pflege für den Intimbereich, Entspannungstechniken, friedliche Beziehung mit dem Partner

Was ist Vaginismus?

Was ist Vaginismus

Vaginismus gehört zu den sexuellen Funktionsstörungen, genauer gesagt zu den Schmerzstörungen. Vaginalverkehr, eine gynäkologische Untersuchung und Einführung durch einen Penis, einen Finger, einen Tampon oder anderen Objekten können sehr schmerzhaft oder bei Vaginismus in seiner schwersten Ausprägung sogar unmöglich sein. Die Muskeln der Vagina verkrampfen so stark, dass nichts ohne große Schmerzen eingeführt werden kann.

Vaginismus ist am häufigsten auf ein früheres psychoemotionales Trauma zurückzuführen. Die Suche nach der Ursache und die Lösung des Problems ist von enormer Bedeutung für das ganze Leben der Betroffenen.

Vaginismus kann beim Geschlechtsverkehr, bei der gynäkologischen Untersuchung oder beim Einführen eines Tampons in die Vagina auftreten. Etwa 17 % der jungen Frauen leiden an dieser Funktionsstörung. Es gibt viele Gründe und Faktoren für ihr Auftreten, aber zum Glück ist sie vollständig heilbar.

Welche Formen von Vaginismus gibt es?

Abhängig von der Periode seiner Manifestation wird Vaginismus in zwei Haupttypen unterteilt:  

Primärer Vaginismus besteht, wenn es niemals möglich war, etwas schmerzfrei in die Vagina einzuführen. Wird meistens erst in der Pubertät oder Adoleszenz entdeckt, wobei vorher kein diesbezüglicher Versuch unternommen wurde. Man kann scheinbar keinen Anfangspunkt feststellen.

Sekundärer Vaginismus ist die Form des Vaginismus, die durch ein bestimmtes Ereignis ausgelöst wurde. Auslöser können schwere traumatische Erlebnisse wie eine Vergewaltigung oder ein Geburtstrauma sein. Es gibt scheinbar einen Anfangspunkt wie z.B eine schwere Geburt, Missbrauch oder schmerzhafte gynäkologische Untersuchung.

Was ist GPSPS?

Genito-Pelvine Schmerz-Penetrationsstörung (GPSPS) ist eine Kombination aus schmerzhaftem Sex (Dyspareunie) und unwillkürlichen vaginalen Muskelkrämpfen (Vaginismus). Hierbei handelt es von einem Zustand, der durch extreme Schmerzen oder anhaltende Beschwerden diagnostiziert wird, normalerweise beim Versuch, Sex zu haben.

Wie wird Vaginismus behandelt?

Wie wird Vaginismus behandelt

 Viele fragen sich, ob der Vaginismus heilbar ist. Selbstverständlich kann man etwas tun. Es geht nicht nur darum zu entspannen, um sexuell funktionsfähig zu sein. Frauen erzielen ihre Beziehung nicht zu gefährden, den Partner nicht zu verlieren oder sexuell normal zu sein, was auch immer das ist, ist kein gutes langfristiges Ziel.

Ein gutes Ziel wäre, dass die Frau mehr Selbstbewusstsein hat, mehr Lust, mehr Gestaltungsfreiraum beim Sex hat.

Vaginismus wird am besten behandelt, indem die primären körperlichen Ursachen von Schmerzen angegangen werden. Techniken zur Desensibilisierung sollten angewendet werden, um der Patientin dabei zu helfen, die Introitalmuskeln zu kontrollieren und zu entspannen.

Die Therapie bei Vaginismus ist ein umfangreiches Therapieprogramm, das Aufklärung und Beratung mit Verhaltensübungen kombiniert. Zu den Übungen gehören die Anspannung und Entspannung der Beckenbodenmuskulatur (Kegel-Übungen), um die willkürliche Kontrolle zu verbessern.

Vaginaldilatoren

Vaginaldilatoren werden für Dehnungsübungen der Scheide empfohlen. Ein Vaginaldilator wird manchmal auch als Insert bezeichnet. Es ist ein Stift aus Plastik oder Silikon oder Zylinder mit einem abgerundeten Ende, der in die Vagina eingeführt wird, um das Gewebe zu dehnen. Das Einführen kann auch dazu beitragen, die Beckenbodenmuskulatur von der Patientin zu entspannen oder zu stärken. Die Behandlung sollte den Sexualpartner einbeziehen.

Psycho- und Sexualtherapie

Wenn der Vaginismus durch traumatische Ereignisse wie Probleme in der Partnerschaft oder Missbrauch verursacht wird, wäre eine begleitende Psychotherapie sehr hilfreich. Mit psychologischen Methoden wie Entspannungsverfahren oder kognitiven Methoden wird diese Störung des Denkens und Erlebnis identifiziert und therapiert.

Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass es nichts gibt, wofür man sich schämen muss. Wenn man mit dem Partner über die eigenen Gefühle und Ängste vor dem Geschlechtsverkehr sprecht, kann man sich entspannter fühlen.

Beckenbodentraining

Übungen zum Trainieren der Koordination und Kontrolle der Beckenbodenmuskulatur sind ein wichtiger Bestandteil bei der Behandlung von Vaginismus. Das Erlernen und Entwickeln dieser Kontrolle kann etwa länger dauern, ebenso wie bei neuen Fähigkeiten. Solche Übungen  werden empfohlen, damit die Betroffenen die Beckenbodenmuskulatur stärken. Sie können jederzeit durchgeführt werden. Hierbei wird Anspannung der Beckenbodenmuskeln erfordert.

Um diese Übung durchzuführen, sollte man folgendes tun:

  • Setzen Sie sich in eine bequeme Position.
  • Stellen Sie sich die Beckenbodenmuskulatur vor.
  • Ziehen Sie sie so schnell wie möglich zusammen und lassen Sie sie los, ohne zu versuchen, die angespannt zu halten.
  • Ruhen Sie sich 3–5 Sekunden lang aus.
  • Wiederholen Sie dies 10–20 Mal pro Satz.
  • Machen Sie zwei Sätze später am Tag.

Besondere Übungen für den Beckenboden

Die Happy Baby Pose ist eine großartige Ergänzung zu einer Beckenbodenroutine, wenn Dehnen und Loslassen erzielt werden.

Legen Sie sich auf den Rücken. Beugen Sie Ihre Knie rechts und links von dem  Rumpf, sodass die Unterschenkel senkrecht nach oben zeigen und die Fußsohlen zur Decke ausgerichtet sind.

Greifen Sie innen an den Knien entlang über den Fußspann die großen Zehen. Ihr gesamter Rücken sollte aufliegen. Mit den Händen können Sie die Füße Richtung Boden ziehen. Indem Sie gleichzeitig die Füße ein wenig zur Decke schieben, erzeugen Sie eine Grundaktivität im Hüftbereich.

Sie können zusätzlich die Arme nutzen, um die Knie vorsichtig nach außen und Richtung Boden zu schieben. Für das „Rocking Baby“ können Sie sanft hin und her schaukeln.

Katzenbuckel: Beginnen Sie auf Händen und Knien in Tischhaltung mit neutralem Rücken. Während Sie einatmen, heben Sie Ihre Sitzknochen nach oben, drücken Sie Ihre Brust nach vorne und lassen Sie Ihren Bauch sinken. Heben Sie Ihren Kopf, entspannen Sie Ihre Schultern weg von den Ohren und blicken Sie geradeaus.

Gehen Sie beim Ausatmen in die Katzenhaltung, während Sie Ihre Wirbelsäule nach außen runden und Ihr Schambein nach vorne ziehen. Lassen Sie Ihren Kopf zwischen den Armen

Entspannungsübungen

Experten empfehlen Atemübungen oder progressive Muskelentspannung, damit man zu mehr innerer Ruhe gelanden kann. Informieren Sie sich über Therapeuten, die Sie dabei anleiten können.

Medikamente

Durch Medikamente wird Vaginismus selten und weniger behandelt, wobei so eine Behandlung jedoch Lokalanästhetika und Muskelrelaxantien umfasst. Injiziertes Botulinumtoxin (Botox) wird gelegentlich verwendet, bleibt aber immer noch experimentell.

Scheidenkrampf selber lösen?

Reden Sie mit Ihrem Partner darüber, sobald Schmerzen ausgelöst werden. Versuchen Sie während Sex zu entspannen und das Eindringen des Penis mit Gewalt nicht zu erzwingen. Beraten Sie sich mit einem Experten, der dabei helfen wird, die richtige Therapie zu finden.

Was sind die Ursachen für Vaginismus?

Was sind die Ursachen für Vaginismus

Die unwillkürliche Verkrampfung der Beckenbodenmuskulatur kann von psychoemotionalen Traumen oder der Einwirkung physikalischer Mittel verursacht werden. Meistens ist primärer Vaginismus auf sexuellen Missbrauch in der Kindheit, falsche Vorstellungen und unzureichende Informationen über das Geschlecht, religiöse Gründe, schmerzhafte und unangenehme Erinnerungen an den Geschlechtsverkehr zurückzuführen. 

Weitere Ursachen für Vaginismus wären:

  • Angst vor einer Schwangerschaft 
  • Angst vor Schmerzen oder einer Infektion mit sexuell übertragbaren Krankheiten
  •  Bei Jungfrauen kann es zu Spannungen und Ängsten hinsichtlich ihrer Leistung kommen
  • Betroffene glauben, dass die Ursache eine Fehlbildung ist, dass sie verbaut sind oder zu eng.
  • Der Beckenboden ist zu stark verspannt und auch der ganze Körper viel zu angespannt ist.
  • Nur wenig Erfahrungen mit dem eigenen Geschlecht – Erkundung, Selbstbefriedigung auch ohne Partner oder Partnerin.
  • Es gibt viele negative Bilder und Mythen über Sex und über Geschlechtsverkehr. Er wird als schmutzig und ungesund betrachtet und als etwas, das Schmerzen bereitet.
  • Negatives Bild über Männer, dass sie triebgesteuert oder aggressiv sind
  • Mit diesen Gefühlen gehen Frauen in die Sexualität rein, natürlich nicht lustvoll und selbstbewusst, sondern passiv und ängstlich

Symptome 

 Der Beckenboden kann sich verkrampfen. Bei Vaginismus spannt sich der Beckenboden an. Er kann nur nicht so gut loslassen. Zumindest kann man es nicht bewusst steuern. Beim Frauenarzt werden Untersuchungen schwierig oder Geschlechtsverkehr klappt nicht. Da sind oft viele Jahre bis sie darauf kommen, dass sie vielleicht diese Diagnose haben.

  • Gar nicht möglich oder nur mit vielen Schmerzen einen Finger, einen Tampon, Penis oder Sextoy von der Scheide aufnehmen lassen 
  • Kaum möglich eine Spekulum-Untersuchung bei der Gynäkologin durchführen zu lassen.
  • Seelische Belastung wie Minderwertigkeitsgefühle oder Schuldgefühle dem Partner gegenüber.
  • Der Gedanke an einen Finger, Penis oder Geschlechtsverkehr macht eine ziemliche Angst. 
  • Man fühlt, dass der ganze Körper völlig unter Spannung steht, z.B. Oberschenkel oder Gesäßmuskulatur.

Risikofaktoren

Gesundheitsexperten wissen immer noch nicht genau, was Vaginismus verursacht, aber einige Risikofaktoren sind frühere Operationen, Infektionen oder geburtsbedingte Verletzungen wie Vaginalrisse. Andere Risikofaktoren sind psychologisch; Angststörungen und negative Gefühle gegenüber Sex, die möglicherweise auf ein früheres sexuelles Trauma zurückzuführen sind. Personen, die Beziehungsprobleme oder einen schmerzhaften ersten Geschlechtsverkehr hatten, haben ein erhöhtes Risiko, Vaginismus zu entwickeln.

Untersuchung und Diagnose

Untersuchung und Diagnose

Ein ausführliches Arztgespräch über die medizinische und die sexuelle Vorgeschichte und eine  gynäkologische Untersuchung können dabei helfen, andere Probleme auszuschließen oder das Vorhandensein von Verkrampfungen zu bestätigen. Der Arzt kann vor der Untersuchung eine topische Betäubungscreme auf die Außenseite der Vagina auftragen oder passende Entspannungsübungen anleiten, um den Prozess für die Betroffene angenehmer zu gestalten.

In der Regel wird der Arzt auch nach der sexuellen Vorgeschichte fragen, was auch Fragen dazu beinhalten kann, ob die Patientin jemals ein sexuelles Trauma oder Missbrauch erlebt hat. Im Allgemeinen erfordert die Diagnose und Behandlung von Vaginismus eine gynäkologische Untersuchung.

Es ist üblich, dass Frauen mit Vaginismus nervös oder ängstlich vor Beckenuntersuchungen sind. Wenn der Arzt so eine Untersuchung empfiehlt, kann besprochen werden, wie sie so angenehm wie möglich gestaltet werden kann.

Bei Vaginismus gibt es keinen physischen Grund für die Verspannung der Vaginalmuskulatur. Das heißt, wenn Sie an Vaginismus leiden, wird Ihr Arzt keine andere Ursache für Ihre Symptome finden.

Vorbeugung

Da es sich um unwillkürliches Anspannen handelt, lässt sich einem Scheidenkrampf nicht vollständig vorbeugen. Um die Wahrscheinlichkeit zu mindern, Vaginismus zu entwickeln, sollte die Patientin eine gesunde Beziehung zum Intimbereich haben und den Beckenboden trainieren. Von großer Bedeutung wäre auch die Aufarbeitung von traumatischen Ereignissen (Missbrauch, schwere Geburt) und die Unterstützung durch Vertraute.

Krankheitsverlauf und Prognose

Wenn nicht behandelt, verschwindet Vaginismus selten von selbst. Die Prognose ist sehr günstig, falls die Frau sich behandeln lässt, sogar wenn der Vaginismus seit vielen Jahren besteht. Der Erfolg liegt bei etwa 90 Prozent.